Review: Hannibal

“Don’t psychoanalyze me. You won’t like me when I’m psychoanalyzed.”

– Will Graham

Was kann man wohl von einer Serie erwarten, die nicht nur die Vorgeschichte der ‘Beziehung’ zwischen Hannibal Lecter und FBI-Profiler Will Graham erzählt, sondern auch von Bryan Fuller (Star Trek, Heroes) produziert wurde und mit Stars wie Hugh Dancy (King Arthur, Adam), Mads Mikkelsen (King Arthur, Casino Royale), Laurence Fishburne (Matrix, Fantastic Four) und Gillian Anderson (Akte X) aufwarten kann? Lasst euch versichert sein, dass ich als Fan der Originalfilme im Vorfeld eine ganze Menge erwartet habe und letztlich kaum eine der Erwartungen enttäuscht wurde.

Die Pilotfolge beginnt zunächst mit einer Sequenz, die verwirrt. Man befindet sich in einer Mordszene, doch plötzlich scheinen die Ereignisse rückwärts zu laufen, der offenbare Täter erklärt dem Zuschauer dabei seine Vorgehensweise, immer mit dem einprägsamen Satz “This is my design” beendet. Die Musik – oder eher die Soundgeräusche –  erinnert dabei an das schnelle Schlagen eines Herzens, was schon zu Beginn für richtigen Nervenkitzel sorgt. Im nächsten Augenblick sind wir wieder in der ursprünglichen Szene, in der der Tatort von der Crime Scene Investigation untersucht wird. Was ist hier passiert? Erst im weiteren Verlauf der Folge wird deutlich werden, dass dies die Art ist, wie Will Grahams (seines Zeichens Profiler) Verstand arbeitet.

Die Einführung in die eigentliche Handlung der Serie erfolgt zugleich: FBI Special Agent Jack Crawford (Laurence Fishburne) bittet Graham bei den Ermittlungen in einem Entführungsfall um Mithilfe; ein Angebot, dass der eher wenig sozial veranlagte Profiler nur zögerlich annimmt. Bereits hier lässt sich der erste Vergleich zu Graham-Darsteller Edward Norton aus “Rote Drache ziehen, denn es gelingt Hugh Dancy auf eindrucksvolle Weise ebenfalls, die etwas verschrobene und durchaus seltsame Art des Profilers auszudrücken (auch wenn ich dennoch sagen muss, dass ich Edward Norton fast ein wenig vermisse).

Im Verlauf der Ermittlungen wird deutlich, was Will Graham zu einer so wichtigen Persönlichkeit für das FBI macht, erlaubt es seine unglaubliche Vorstellungskraft und die beinahe grenzenlose Empathie des Mannes doch, quasi in die Köpfe der Täter einzutauchen und ihnen so auf die Schliche zu kommen. Dass dies jedoch nicht ganz gesund für den Geisteszustand des Profilers ist, dürfte spätestens deutlich werden, als er anfängt tote Mädchen in seinem Bett zu sehen, bevor diese in die Dunkelheit entschweben. Ein wenig wurde ich hier stutzig, denn so interessant ich diese Art der Darstellung finde, so hatte ich Graham aus “Roter Drache” doch keineswegs derart… nun, seltsam in Erinnerung. Dennoch sorgen seine ‘Visionen’ und die Unterlegung mit eigentümlichen Soundgeräuschen (man hat wirklich das Gefühl, als würde einem selbst das Blut in Ohren rauschen) für einen faszinierenden Grusel und die dauerhafte Aufrechterhaltung der Spannung, wobei sich diese fast eher auf den Charakter bezieht, als auf den Fall, den es zu lösen gilt.

Richtig interessant wird es jedoch erst, als Dr. Hannibal Lecter (gespielt von Mads Mikkelsen) endlich die Szenerie betritt, denn schließlich soll die Serie eben dies thematisieren: Woher kennen Will Graham und der ‘geniale Kannibale’ sich eigentlich? Mit dem Auftauchen des Psychaters wird die Serie auch einiges brutaler und ich sage es gleich: Menschen mit etwas schwächeren Nerven sollten sich lieber zweimal überlegen, ob sie sich die teilweise sehr grafisch dargestellten Leichen und Verstümmelungen wirklich antun möchten. Ich bin zwar weniger zart besaitet, doch lässt sich nicht bestreiten, dass auch für mich viele Szenen nicht schön anzusehen waren – und immerhin war dies erst der Anfang! Nicht nur die Darstellung der Opfer, sondern auch Wills öfter eingeblendete verstörenden Vorstellungen, sowie die wahrlich sehr makaberen Anspielungen rund um das Thema Essen (es geht immerhin auch um Kannibalismus)  lassen kaum einen Puls ruhig bleiben. Für Freunde der spannenden Unterhaltung dürfte ‘Hannibal’ also mehr als nur einen Blick wert sein.

Die Besetzung der Serie ist zweifelsohne gut, auch wenn Mads Mikkelsen für mich nicht ganz an die Brillianz eines Anthony Hopkins heranreicht, was seinem schauspielerischen Können bei der Darstellung des Psychaters jedoch keinen Abbruch tut. Besonders gut gelungen fand ich vor allem die ersten aufkeimenden Interaktionen zwischen Graham und Lecter, die etliches an Potenzial offenbaren… ansonsten wäre der Sinn der Serie wohl auch etwas verfehlt. Dennoch habe ich mich beim Schauen der Pilotfolge bisweilen gefragt, wie man mit diesem Ansatz 13 Folgen der ersten und bisher geplante weitere 13 Folgen der zweiten Staffel füllen möchte, doch lasse ich mich hier gerne vom Einfallsreichtum der Produzenten überraschen. Ebenfalls etwas seltsam fand ich die Tatsache, dass man Grahams Einschätzungen oft einfach für bare Münzen zu nehmen scheint… so clever der Mann auch sein mag, es handelt sich dennoch nur um seine Vorstellung, die – meines Wissens nach – durchaus auch daneben liegen kann. Doch auch hier hoffe ich auf Erleuchtung in den weiteren Folgen.

Alles in allem kann ich wirklich nur sagen, dass die erste Folge mein Interesse geweckt hat und ich mir nach Ende dieser Review sogleich die zweite Folge ansehen werde… die Mischung aus Spannung, einem Tick Grusel und schauspielerischem Talent ist für mich genau richtig und die kleinen Anmerkungen, die sich während der 43 Minuten Laufzeit eingeschlichen haben mögen, können die Vorfreude darauf, wie es wohl weitergeht nicht trüben. Von mir gibt es daher satte 5 Sterne – und vermeintliches Suchtpotenzial bestätigt!

5 sterne

 

 

Für die Neugierigen unter euch gibt es den Trailer für einen ersten Eindruck hier zu bewundern: A Killer’s Legend Reborn

Habt ihr euch die Serie schon angesehen? Was sagt ihr zu den Schauspielern und der Umsetzung? Hinterlasst mir doch unten einen Kommentar mir eurer Meinung.

2 thoughts on “Review: Hannibal

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