Follow Up: Hannibal

Ja, ich bekenne mich schuldig. Ich konnte es einfach nicht lassen und wieder einmal ist beinahe ein ganzes Wochenende dafür drauf gegangen, dass ich jede einzelne Episode einer Serie auf regelrecht rasante Art und Weise verschlungen habe. Wie ihr dem Titel entnehmen könnt, handelte es sich dieses Mal um Hannibal. Ich muss gestehen, sobald ich meine Review zur Pilotfolge beendet hatte, habe ich sofort mit Folge zwei und drei weiter gemacht. Konnte die Serie mich auch weiterhin fesseln? Definitiv. Habe ich erwartet, was kommen würde? Hell, no. Soeben (dh. zu dem Zeitpunkt, als ich diesen Beitrag verfasste) habe ich das Staffelfinale von Season One beendet und lasst es mich einmal so formulieren: Ich habe keine Ahnung, wie ich die Zeit bis Staffel zwei überbrücken soll, ohne dabei selbst dem Wahnsinn zu verfallen.
Natürlich habe ich im Folgenden versucht, auf Spoiler zu verzichten, soweit mir dies möglich war – wer sich die Serie jedoch vollkommen unvoreingenommen ansehen möchte, der sollte mit dem Lesen dieses Follow Ups wohl noch etwas warten.

Dennoch neugierig? Dann lest weiter.

Von Beginn an hatte ich aufgrund diverser Trailer und Erzählungen viele Erwartungen was Hannibal anging, doch mit dem, was in den 13 Episoden passierte, hatte ich wirklich nicht gerechnet. Was die Pilotfolge an geschickten Intrigen, Spannung, aber auch Brutalität versprach, steigerte sich in den folgenden Episoden kontinuierlich und lasst es mich erneut betonen: Eher zart besaitete Serienfans sollten sich diese Show lieber nicht ansehen (ja, auch ich als recht abgehärteter Horror-Fan musste mich nach Folge 10 erst einmal davon überzeugen, dass wirklich niemand unter meinem Bett lauert). Doch was die Serie wirklich faszinierend macht, ist die Art und Weise, wie die einzelnen, zunächst vollkommen voneinander unabhängig erscheinenden Fälle, die das FBI zu lösen hat, zusammen hängen und wie diese Verschachtelung nach und nach auf beinahe erschütterten Art offen gelegt werden. Es dürfte wohl klar sein, dass Hannibal Lecter dabei eine meisterhafte Hauptrolle zukommt.

Beginnen wir doch zunächst mit der schauspielerischen Leistung des gesamten Casts. Welche Vorbehalte ich bezüglich Mads Mikkelsen in der Pilotfolge auch immer gehabt haben mag, sie wurden komplett revidiert und auch ich darf mich nun wohl einen Fan des schwedischen Schauspielers nennen. Hannibal Lecter ist ein schwer zu durchschauender Charakter, bei dem man oft nicht die geringste Ahnung hat, welches Verhalten nun echt und welches gespielt ist, doch eines dürfte bereits nach wenigen Folgen deutlich werden: Dem Zufall überlässt dieser Mann nichts. Mads Mikkelsen gelingt es auf geniale Art und Weise, die verschiedenen Facetten des Serienkillers darzustellen, ohne auch nur eine einzige Sekunde lang unglaubwürdig zu erscheinen. Bei einem so verkorksten und multidimensionalen Charakter halte ich dies durchaus für eine erstaunliche Leistung.

Was mich gleich zu meinem – zugegeben nicht allzu unerwarteten – Favoriten der Serie bringt: Hugh Dancy als Will Graham. Bisher kannte ich den Engländer eher aus Filmen wie “The Jane Austen Book Club” oder auch “Shopaholic“, in denen er den liebenswerten, wenn auch etwas verschusselten Typ von nebenan mimte. Will Graham dagegen ist ein Charakter mit Persönlichkeit, mit mindestens ebenso vielen Facetten wie Hannibal Lecter selbst und einer Menge Probleme in seinem Leben. All dies wurde von Dancy auf sehr überzeugende Weise dargestellt und besonders, als es dann um die angebliche Geisteskrankheit des Profilers geht, wird das Talent des Schauspielers deutlich. Eigentlich tut Graham einem die gesamten 13 Folgen über einfach so schrecklich leid, dass man teilweise kaum hinsehen kann. Doch auch die anderen Schauspieler, angefangen von Laurence Fishburne bis hin zu Caroline Dhavernas als Dr Alana Bloom und Kacey Rohl als Abigail Hobbs, überzeugen durchweg mit ihrer Performance und ich muss es einfach anmerken: Das Staffelfinale brach mir gleich auf mehrere Arten das Herz.

Was meine anfängliche Sorge, wie man eine gesamte Staffel mit dem vorliegenden Material füllen solle betrifft, so wurde diese schon ab der dritten Folge komplett aufgehoben und ich kann es nun kaum erwarten, was in Staffel 2 noch alles bevorstehen mag. Was am Anfang wie eine Aneinanderreihung von FBI Fällen aussehen mag, entpuppt sich im Laufe der Staffel als kniffelig zusammen hängender Gesamtfall, der mit mehreren spannenden Wendungen und einem letztlichen Höhepunkt aufwarten kann. Dabei wird der Zuschauer Stück für Stück in die dunklen Abgründe der menschlichen Psyche entführt, was einen irgendwann nicht schlecht an der gesamten Menschheit zweifeln lässt. Obwohl die Vorfälle doch alle recht speziell und definitiv nicht alltäglich sind, so hatte ich selten das Gefühl, dass die Handlung übertrieben oder gar unlogisch sein könnte – dafür waren die Darstellung und Performance einfach viel zu überzeugend. Dass der Zuschauer nach und nach eine Ahnung entwickelt, wer wirklich hinter all dem steckt, machte das Fernsehvergnügen keineswegs einfacher und es gab mehrere Momente, in denen ich mir wirklich wünschte, einfach eingreifen zu können – und anschließend heilfroh darüber war, nicht in Will Grahams Haut zu stecken.

Wie man den bisherigen, sehr enthusiastischen Worten sicher entnehmen kann, bin ich beinahe durchweg begeistert von Hannibal und es gibt nur wenige Punkte, die ich bemängeln könnte. Anmerken möchte ich jedoch, dass ich die Serie keineswegs als direktes Prequel für “Roter Drache” sehen würde – denn dazu sind mir die Geschehnisse und auch die Charaktere doch zu verschieden. Viel eher würde ich sagen, dass die Charaktere auf denen in Roter Drache basieren – wie es ja auch offiziell angegeben ist – die Handlung aber vollkommen unabhängig ist und keinesfalls als vorhergehende Geschehnisse gesehen werden sollten. Viele mögen die hohe Brutalität der Serie bemängeln, doch ich persönlich muss sagen, dass zwar etliche Szenen nicht schön anzusehen waren, es für mich nun aber definitiv kein Minuspunkt wäre. Viel eher trägt es zur gesamten Atmosphäre der Serie bei, welche durchweg düster und fast etwas deprimierend gehalten ist. Sehr gut gefallen hat mir jedoch, dass mit Fortschreiten der Episoden immer mehr Elemente des psychischen Horrors hinzukommen, statt allein auf Ekel zu setzen. und auch die Charaktere bekommen mit jeder Folge mehr Tiefe verliehen, was es einem auf lange Sicht schwer macht, nicht irgendwie mit ihnen zu sympathisieren. Wem diese Art von intensivem Grusel jedoch nicht zusagt, für den ist Hannibal nichts – denn um darüber hinweg zu sehen, sind diese Elemente doch zu präsent. Kritisieren muss ich jedoch, dass keineswegs jede Folge qualitativ auf dem selben Level war und mir die Aufklärung mindestens eines Falles letztlich doch sehr lieblos erschien – im Gesamtbild ist dies aber mehr als gut zu verschmerzen.

Letztlich gibt es zu Ende der ersten Staffel noch einige lose Fäden und ungeklärte Sachlagen, die hoffentlich in Staffel 2, welche 2014 ausgestrahlt werden soll, weiter ausgeführt werden. Sowohl Cast, als auch Storyline, konnten mich überzeugen und ich kann meinen bereits positiven Eindruck nach der Pilotfolge nur weiter unterstützen.

Hannibal war die investierte Zeit für mich durchaus wert und ist definitiv empfehlenswert für Leute, die exquisiten Grusel mit interessanten Charakteren lieben.

Wie hat euch Staffel eins gefallen?

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