Follow Up: Rectify

Kerwin: “I know you didn’t do it.”
Daniel: “How do you know?”
Kerwin: “Because I know you. Because I know you. Because I know you.”

So, nun sitz ich hier fünf Episoden später und habe die erste Staffel von “Rectify” hinter mir.

Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich hab sie verschlungen, denn um so eine Serie zu sehen bedarf es der richtigen Stimmung, Muße und der Bereitschaft sich mit so einer Art von Tobak auseinander zu setzen, zumal sie einfach keine leichte Kost für mal eben zwischendurch ist. Ich wollte euch aber unbedingt ein Follow-Up zu der Serie liefern, weshalb ich dann auch meine Pobacken zusammengekniffen und mir die weiteren Folgen angesehen habe… außerdem wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Für diejenigen unter euch, die es noch nicht geschafft haben meine Rezension zur ersten Folge zu lesen, hier noch mal eine knappe Zusammenfassung des Plots:
Ein zur Todesstrafe verurteilter junger Mann wird aufgrund neuer Beweise aus der Haft entlassen und versucht nun sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Nicht jeder gönnt ihm diesen Neuanfang und so sieht er sich mit Herausforderungen konfrontiert, mit denen er nicht rechnete, da er bereits mit seinem Leben abgeschlossen hatte.

Wenn ihr meinen ersten Blogeintrag zum Pilot gelesen habt, wisst ihr bereits, dass ich aus dem Schwärmen für dieses Fernsehereignis nicht herausgekommen bin und das hat sich auch nach den anderen Episoden nicht geändert. Rectify ist eine wundervolle Serie, die sich exquisiter Themen bedient, so steht zwar die Resozialisierung eines Verurteilten in die Gesellschaft im Mittelpunkt, jedoch werden durchaus andere Problematiken wie Vergebung, Selbstfindung, Selbstjustiz und Nächstenliebe beleuchtet.

Nachdem ich nun alle 6 Episoden gesehen habe, bin ich nach wie vor von der Serie begeistert. Schon die erste Folge hat mich gepackt und ich wollte sofort mehr über die Umstände wissen, die dazu geführt haben, dass Daniel Holden (Aden Young) sich des Mordes für schuldig bekannt hat, obwohl die Indizien dagegen sprechen. Zugegeben, der Charakter des Daniel an sich ist recht eigenartig, aber was will man auch erwarten, wenn man 19 Jahre auf die Giftspritze wartet und wahrscheinlich nicht direkt Schuld an dem Tod eines geliebten Menschen trägt, diesen aber auch nicht verhindern konnte. Einfühlsam, still und bedächtig verkörpert Aden Young die Rolle des angeblichen Vergewaltigers und Mörders, dessen Tat nicht nur für ihn, sondern auch für seine Familie und die des Opfers weitreichende Konsequenzen nach sich zog. In den USA ist die Todesstrafe noch vertreten, da es noch immer Befürworter gibt, die nach der Devise  der Vergeltung  leben: “Auge um Auge, Zahn um Zahn” und so scheint es auch nicht abwegig oder übertrieben, dass der Hauptcharakter mit Ablehnung, Hass und Skepsis konfrontiert wird. Halt und Zuwendung findet er bei seiner Familie, wobei ich gestehen muss, dass mich sowohl Mutter, als auch Schwester ein wenig mit ihrer Überfürsorge genervt haben, allerdings kann ich mir vorstellen, dass auch dieses Verhalten verständlich ist.

Obwohl fast seine gesamte Familie hinter Daniel steht, kommt in der Serie jedoch die besondere Verbindung zu seiner Schwägerin Tawney zum Ausdruck. Beide scheinen auf einer Wellenlänge und ich konnte mich nicht dem Eindruck verwehren, das Tawney sich Daniel annimmt und berührt wie es sonst keiner aus der Familie schafft, sehr zum Missfallen ihres Ehemanns Ted Jr., der Daniel mit Neid und Argwohn begegnet und durchaus von seiner Schuld überzeugt ist.

Neben dem aktuellen Geschehen, wird der Rezipient bisweilen immer wieder in die Zeit zurück versetzt als Daniel noch inhaftiert war. Hierbei freundet sich Daniel mit seinem Zellennachbarn Kerwin an, der den introvertierten und wortkargen Mann aus seiner Tristesse befreit und ihm einige glückliche Augenblicke beschert, die zwar selten und kurz sind, jedoch aber für einige Zeit den Lebenswillen zurück holen.

Sechs Folgen, sechs Stunden anspruchsvolle Unterhaltung.
Ray McKinnon versteht es, ein brisantes Thema gefühlvoll umzusetzen und mich dazu zu verleiten für  sowohl die Angehörigen des Angeklagten, den Angeklagten selbst, als auch  für die des Opfers Verständnis und Empathie für ihr Verhalten und ihre Handlungen aufzubringen. Die Serie schaffte es mit fortlaufender Handlung bei mir Spannung und Interesse zu induzieren, jedoch nie ins Kitschige oder Unglaubwürdige abzurutschen. Ich als Zuschauer hatte durch das langsame Tempo (wobei die Serie auch nur einen Zeitraum von sechs Tagen umfasst) Zeit die einzelnen Verbindungen der Charaktere zu erforschen und konnte, ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd, mir peu à peu Gedanken zu dem Mord und den möglichen Beteiligten machen.
Ich sage zurecht “mögliche Beteiligte”, denn noch erfährt man nicht, was nun genau geschehen ist, demnach werde ich ungeduldig auf den Start der zweiten Staffel warten und kann nur hoffen, dass die Serie an Qualität und Anspruch nicht verliert – Ich für meinen Teil bin bereit mit der Wahrheit konfrontiert zu werden.

Hat einer von euch die Serie schon gesehen? Wenn ja, hat sie euch gefallen oder fandet ihr sie mau?

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